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Dresden 2017 – wissenschaftliches Programm

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GP: Fachverband Geschichte der Physik

GP 7: Biographien

GP 7.1: Hauptvortrag

Mittwoch, 22. März 2017, 09:30–10:15, HSZ 105

Chancen und Risiken eines transnationalen Lebens: Der Metallforscher Jan Czochralski im 20. Jahrhundert — •Katrin Steffen — Nordost-Institut Lüneburg an der Universität Hamburg, Conventstr.1, 21335 Lüneburg

Der Metallforscher Jan Czochralski ((1885-1953), dessen Entdeckung des Einkristallziehens aus der Schmelze als Czochralski-Methode zur Produktion von Silizium bekannt geworden ist, kam zu Beginn des 20. Jhs aus dem preußischen Teilungsgebiet Polens nach Berlin. Ab 1917 übernahm er das Metall-Laboratorium der Metallgesellschaft in FFM. Neben der Verwissenschaftlichung der Industrieproduktion betrieb er führend die Institutionalisierung der Metallkunde in Deutschland. 1928 aber zog er nach Polen, wo er eine Professur für Metallkunde und zahlreiche Ämter in Verbänden und als Berater erhielt. Mit dem Transfer seines Wissens wurden hohe Erwartungen an Innovation und wirtschaftliche Entwicklung verbunden; gleichzeitig ergab sich aus seiner multiplen territorialen Verankerung Konfliktpotential: Sein Wissen und er galten als "zu deutsch". In der Folge des Zweiten Weltkriegs, als Czochralski auch Kompromisse einging, verlor er alle seine Ämter. Zuvor war es ihm aber gelungen, Teil deutscher und polnischer Wissenschaftswelten zu sein, die ihrerseits von globalen Prozessen von Zirkulation und von Vernetzung geprägt waren. Die Chancen, die aus dieser Konstellation resultierten und die ihm mittels bestimmer performativer Techniken zu Expertise, Prestige und Macht verhalfen, sollen in dem Vortrag ebenso dargestellt werden wie die Risiken, die das transnationale Leben eines Migranten mit sich bringen konnte.

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